Warum Getreide ungesund ist!

Getreide – Ein Lebensmittel? Meine Gründe gegen den Verzehr von Getreide

Einer der wichtigsten Punkte der Paleo-Ernährung ist der Verzicht auf Getreide – genau hier findet man u.a. den Unterschied zu Low Carb. Der Einfachheit halber wird als Hauptgrund gegen den Verzehr von Getreide angebracht, dass der menschliche Körper bis vor ein paar tausend Jahren gar kein Getreide kannte – er hatte sich Millionen Jahre vorher ohne Getreide ernährt und an die Spitze der Nahrungskette gestanden. Durch den Verzehr von Getreide konnten erst viele heutige Zivilisationskrankheiten (Wohlstandserkrankungen) entstehen.

Hier möchte ich Dir erklären, warum es nicht nur aus evolutionsbiologischer Sicht sinnvoll ist, auf Getreide zu verzichten. Du wirst feststellen, dass es mehr Argumente gegen den Verzehr von Getreide als dafür.

Getreide war Jahrtausende die Sicherheit zum Überleben der Menschheit. Seit der Neolithischen Revolution, als der Mensch begann, sesshaft zu werden, Vieh zu halten und Nahrungsmittel (vor allem Getreide) selber anzubauen. Durch die Sicherheit der nächsten Getreideernte und die gute Lagerfähigkeit der Körner war es von da an möglich, mehr Menschen – einfacher –  zu ernähren als durch Jagen und Sammeln.

Getreide wurde nach dem Sesshaft werden angebaut

Beispielbild für das „Sesshaft werden“

Dass Getreide nicht zum Verzehr durch den Menschen gemacht ist und ihm direkt Schaden zufügt, dass erfährst Du jetzt:

Menschen werden sesshaft und krank

Die Menschen wurden erstmal sesshaft und Getreide wurde plötzlich ihr wichtigstes Nahrungsmittel, da wurden sie mit folgenden Problemen konfrontiert:

  • Mehr Infektionskrankheiten (schlechteres Immunsystem)
  • Nährstoffmängel
  • Schlechte Zahngesundheit und erstes Auftreten von Karies
  • Rückgang der Lebenserwartung
  • Erhöhung der Kindersterblichkeit

Oh! „Na fabelhaft!“. Selbst heute kann man das noch bei Jäger-und-Sammler-Bevölkerungen beobachten, wenn sie sesshaft werden. Was lief da schief? Die Menschen ernährten sich nicht mehr von allem, was die Natur ihnen zu jagen und sammeln gab – Fleisch, Fisch, Eier, Obst, Gemüse etc., sondern vertrauten jetzt hauptsächlich auf einige wenige Getreidesorten. Und allen damit einher kommenden gesundheitlichen Problemen und Nährstoffmängeln. Jahrtausende alte Fähigkeiten, in der Natur nach Nahrung zu suchen, gingen gleichzeitig verloren.

zu viel des Gluten

Gluten ist umgangssprachlich der Überbegriff für Speicherproteine im Getreidekeimling. Hauptsächlich wird mit Gluten das Speicherprotein im Weizen gemeint, solche Speicherproteine kommen jedoch auch in anderen Getreidesorten vor:

  • Bei Roggen heißt es Secalin
  • im Hafer heißt es Avenin
  • Bei Gerste heißt es Hordein

Der Einfachheit halber nehme ich den Überbegriff „Gluten“ – da ja Weizen auch das am häufigsten konsumierte Getreide in unseren Bereichen ist.

So wie alle Proteine muss Gluten natürlich auch verdaut werden. Jedoch sind Speicherproteine aus Getreide im Allgemeinen sehr schwer verdaulich. Je länger also ein Protein unverdaut bleibt, desto größer ist hier die Wahrscheinlichkeit, dass das menschliche Immunsystem darauf reagiert. Schließlich ist fremdes Protein in unserem Körper nicht erwünscht . Das ist ein Grund, warum Getreide entzündliche Erkrankungen wie Zöliakie auslöst.

Peptide…

Ein weiteres Problem ist die unzureichende Verdauung von Gluten. Da es so dicht gepackt ist, kommen die Verdauungsenzyme nur schwer an das Gluten. Alles was nach der Verdauung übrig bleibt, sind Peptide, sogenannte „Protein-Schnipsel“. Und diese haben – zusammen mit dem ursprünglichen Gluten – vielfältige Wirkungen im Körper:

  • Sie greifen die Darmwand an und machen sie löchrig (leaky gut syndrome). Das allein treibt Immunreaktionen an, denn auch Giftstoffe aus dem Darm gelangen nun in den Körper hinzu kommen hier Bakterien, die eigentlich nichts im Körper verloren haben.
  • Sie verhindern aktiv die Reparatur des entstandenen Schadens
  • Peptide hemmen die Bildung neuer, gesunder Darmzellen
  • Sie fördern Entzündungen in den Darmzellen
  • Sie verändern (!) die Zusammensetzung der Darmbarriere, indem sie verstärkt Immunzellen anlocken, was einer Entzündungsreaktion gleichkommt
  • Die Immunreaktionen können auch systemisch, d.h. im ganzen Körper, wirken. Die Symptome sind vielfältig und als Glutensensitivität bekannt. Glutensensitivität wird sehr unterschätzt .
  • Diese Entzündungen und Immunreaktionen können irgendwann in Autoimmunerkrankungen ausarten
  • Bei der Verdauung von Gluten entsteht Gliadorphin als Zwischenprodukt. Gliadorphin ist ein Exorphin. Exorphine wirken wie Opium im Körper: Taubheitsgefühle und Abhängigkeit sind die Folge.

PaleoMIX Info: Exorphine entstehen zusätzlich auch bei der Verdauung von Milch. Daher die Eigenschaft von Milch, abhängig zu machen. Mehr zur Milch erfährst du in einem weiteren Bericht.

Soviel zum Gluten.

Zu viel des Gluten im Getreide

Phytinsäure – Eine differenziertere Betrachtung

Phytinsäure nennt man den hauseigenen Phosphatspeicher im Getreide. Wenn das Getreide keimt, baut das Enzym namens Phytase die Phytinsäure ab. Wir Menschen besitzen Phytase nicht, was unter anderem bedeutet, dass wir das Phosphat nicht gut aufnehmen können. Da Phosphat aber gleichzeitig Magnesium, Eisen und Zink bindet, können diese wichtigen Mineralstoffe nur sehr schlecht vom Körper aufgenommen werden. Die im Getreide theoretisch enthaltenen Mineralstoffe kann der menschliche Körper also größtenteils nicht aufnehmen.

Phytinsäure hat aber auch eine positive Seite für unseren Körper: wird es in geringen Mengen aufgenommen löst es durch seine Eigenschaft Calciumablagerungen aus unseren Gefäßen. Das ist auch der Grund, warum in vielen Studien Vollkornprodukte für eine Reduktion von Herz-Kreislauf-Erkrankungen sorgen.

Davon abgesehen zerfällt Phytinsäure in geringen Mengen im Körper in seine Bestandteile Inositol und Phosphat. Das Inositol ist ein Teil des Insulin-Signalwegs. Insulin wirkt also besser, die Insulinsensitivität steigt. Das dürfte theoretisch alle Diabetiker erfreuen.

Somit scheint klar: Phytinsäure ist ein überschätzter Anti-Nährstoff. Er verhindert zwar die Aufnahme von Mineralstoffen, aber diese kommen ohnehin nicht in riesigen Mengen im Getreide vor.

Dann lieber doch Vollkorngetreide? – vor allem wegen der Ballaststoffe!?

Ballaststoffe nennt man alle unverdaulichen Nahrungsbestandteile. Sie sind ein gern benutztes Argument gegen die Paleo- Ernährung: Ohne die nötigen Ballaststoffe geht unsere Gesundheit Flöten. Das liegt nahe, da Vollkorngetreide für seinen hohen Ballaststoff-Anteil gelobt und gepriesen wird. Wenn du auf die gesundheitlichen Wirkungen von Ballaststoffen schaust, dann sieht es auf den ersten Blick auch so aus, denn:

  • Sie erhöhen die Sättigung
  • Ballaststoffe erhöhen die Aufnahme von Nährstoffen aus dem Essen
  • Ballaststoffe nähren unsere Darmflora und bilden die Basis für ein gesundes Immunsystem
  • dadurch helfen Ballaststoffe gegen Übergewicht

Wir können OHNE Getreide also nicht gesund sein!?? Dazu ist es notwendig einmal zu vergleichen und zwar den Ballaststoffgehalt von Getreide mit anderen Nahrungsmitteln [1]:

Scheibe Weizenvollkornbrot: 3g

Scheibe Weißbrot: 1g

eine Handvoll Brokkoli: 4g

Handvoll Karotten: 3,4g

eine Handvoll Sellerie: 3g

Handvoll Bohnen: 8g

Handvoll Mandeln: 2,4g

1 mittelgroßer Apfel: 4g

Wie du siehst kannst du die Frage ob wir ohne Getreide nicht gesund leben können selbst beantworten:

JA, denn Getreide ist nicht unbedingt reicher an Ballaststoffen als andere natürliche, gesündere Nahrungsmittel wie beispielsweise Obst und Gemüse.

JA, denn Getreide ist nicht nötig, um den täglichen Bedarf an Ballaststoffen zu decken.

Und NEIN, bei Paleo nimmt man mit Sicherheit nicht zu wenig Ballaststoffe zu sich.

Hohe Kohlenhydratdichte – ist doch super?!

Getreide hat eine sehr hohe Dichte an Kohlenhydraten. Diese gelangen, egal ob Vollkorn oder nicht, sehr schnell ins Blut. Dadurch schießt der Blutzucker sehr schnell in die Höhe, unser Körper beginnt nun eine Entzündungsreaktion, um den Blutzucker wieder zu kontrollieren. Entzündungsreaktion?! hatten wir das nicht eben schon?…

Fettsäure-Verteilung – nicht optimal

Ein großes Problem der heutigen Ernährung ist die ungünstige Verteilung von Omega-6-Fettsäuren zu Omega-3-Fettsäuren. Ist das Verhältnis zu sehr auf Seiten der Omega-6-Fetten (bei einer westlichen Ernährung normalerweise 20:1, bei einer natürlichen Ernährung 3:1), werden Entzündungsreaktionen im Körper begünstigt und fallen stärker aus als normal und depressive Zustände treten häufiger auf. [zu einem späteren Zeitpunkt gibt es dazu mehr 😉 ] Getreide besteht von den Fettsäuren her eigentlich nur aus Omega-6-Fettsäuren, besonders der so hoch gelobte Hafer (lösliche Ballaststoffe hin oder her, es enthält zu viele Omega-6-Fette).

Um dieses Fettsäure-Verhältnis wieder ins Gleichgewicht zu bringen, ist es neben dem Verzicht auf Fleisch aus Massentierhaltung und minderwertige Speiseöle (Sonnenblumenöl, Distelöl) auch sehr vorteilhaft, Getreide weitestgehend einzuschränken.

Kaum Mikronährstoffe und schlechte Bioverfügbarkeit

Getreide ist an und für sich schon kein guter Lieferant für Nährstoffe und Vitamine. Die Mineralstoffdichte hat durch die Züchtung in den letzten Jahrhunderten, im Vergleich zu ursprünglichen Getreidesorten, immer weiter abgenommen. Die Aufnahme der wenigen verbliebenen Vitalstoffe wird leider durch Stoffe wie Phytinsäure noch behindert. Somit kann Getreide eher als eine Quelle von „leeren Kalorien“ betrachtet werden.

Es besteht aus Gluten, Kohlenhydraten, ein paar Ballaststoffen – sonst nichts. Nicht viel wirklich Wertvolles für unseren Körper außer Energie. Getreide ist also ein Nährmittel – Mittel, die uns nähren, also satt machen und Energie spenden, aber uns nicht ernähren im Sinne von Nährstoffen. Wer es noch etwas weiter treiben möchte, bezeichnet Getreide einfach als „Genussmittel“ (obwohl ich das nicht unterschreiben kann – Genuß ist etwas anderes für mich) oder Fast-food. Energie, sonst nichts.

Trotzdem, Getreide wird uns immer wieder empfohlen!

Hier kommt die Agrarlobby ins Spiel: Die ist in Deutschland wirklich sehr mächtig und hat in vielen „wissenschaftlichen Gremien“ wie der DGE (Deutsche gesellschaft für Ernährung) ihre Finger im Spiel. Da genau ist auch das Problem. So diktiert uns die Deutsche Gesellschaft für Ernährung in ihren 10 Regeln für gesunde Ernährung, mehrmals am Tag und reichlich Getreide zu essen [2].

Warum das?

Getreide ist in großen Mengen und auch noch billig produzierbar. Je mehr es industriell verarbeitet wird, desto höher ist die Gewinnspanne für die Industrie. Zum Vergleich: ein Kilo Weizenmehl ist im Großhandel für 20ct zu haben. Ein Kilo Brot kostet dann schon 2€, ein Kilo Kuchen hingegen 15€. Die Gewinnspanne steigt mit jedem Verarbeitungsschritt. Und mit einem Billigprodukt wie Mehl als Ausgangslage ist die Gewinnspanne nur noch größer.

Das Problem dabei:

Wird Getreide zur Nahrungsgrundlage gemacht, wieviel Platz bleibt dann auf dem Teller für gesunde Nahrungsmittel wie Obst, Gemüse und Fleisch? Nicht viel. Sinnvoll wäre es also die Ernährungspyramide auf den Kopf zu stellen: Getreide nach oben (wenig), als Grundlage unverarbeitete tierische Nahrungsmittel, Obst und Gemüse nach unten (viel). Aber so würden wir ja niemals die (nach DGE) 50-60% Kohlenhydratanteil erreichen, die wir benötigen, stimmt’s?  50-60% Kohlenhydrate, das sind umgerechnet 300-400g.

… oder doch lieber Pseudogetreide

Als Nudelersatz greife im Notfall auf Pseudogetreide (Buchweizen, Quinoa, Amaranth) zurück. Sie sollten allerdings die Ausnahme bleiben, nicht die Regel. Pseudogetreide sind in der Ausnahme eine bessere und auch schmackhaftere Alternative zu herkömmlichen Nudeln.

PaleoMix Fazit: Welches Wort kam in diesem Artikel sehr häufig vor? Genau– Entzündung. So ist man doch immer wieder überrascht, auf welch vielfältige Weisen Getreide in unserem Körper Entzündungen hervorruft und verstärkt. Entzündungen sind mittlerweile DIE Grundlage für alle möglichen Alters- und Zivilisationskrankheiten. Das Getreide spielt hier eine Rolle, die nicht unterschätzt werden darf.

Damit du auch morgen noch kraftvoll jagen kannst - kein Getreide!

Weiterführende Informationen:

[1] https://www.wehealny.org/healthinfo/dietaryfiber/fibercontentchart.html

[2] https://www.dge.de/ernaehrungspraxis/vollwertige-ernaehrung/10-regeln-der-dge/

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